Die Idee schärfen
KIKI-generiertMade in EUIm letzten Kapitel hast du gelernt: Die KI tut genau das, was du sagst — nicht das, was du meinst. Daraus folgt der wichtigste Schritt von allen, und der passiert, bevor du auch nur ein Wort an die KI schreibst: Du machst deine Idee scharf.
Der Ein-Satz-Test
Sag laut, was dein System am Ende können soll — in einem einzigen Satz. Nicht „irgendwas mit Kunden und E-Mails und Terminen". Sondern: „Ein System, das jede neue Anfrage automatisch sammelt und mir sortiert anzeigt."
Wenn dir dieser eine Satz nicht flüssig über die Lippen geht, ist die Idee noch nicht reif zum Bauen. Das ist keine Schwäche — das ist der normale Moment, an dem 90 % der guten Arbeit passiert. Klar denken ist schwerer als tippen.
Ein echtes Beispiel von uns
Wir wollten ein Werkzeug, das Anfragen („Leads") einsammelt. Unser erster Gedanke war Matsch:
Unscharf: „Irgendwas, das Leads von überall reinholt und was Sinnvolles draus macht."
Damit hätte die KI geraten — und wahrscheinlich das Falsche gebaut. Also haben wir geschärft, bis ein klarer Satz dastand:
Scharf: „Ein Ort, an dem alle Anfragen aus jeder Quelle zusammenlaufen, sich die Felder automatisch erkennen, und ich nach Kampagne filtern kann."
Erst dieser Satz war baubar. Aus „irgendwas Sinnvolles" wurde ein konkretes Bild — und genau das ist deine eigentliche Arbeit.
Zwei Fragen, die deine Idee scharf machen
1. Für wen ist das — und welches Problem löst es? Software, die kein echtes Problem löst, baut man umsonst, egal wie gut sie ist. Denk an eine konkrete Person mit einem konkreten Ärgernis.
2. Woran erkenne ich, dass es fertig ist? Beschreibe das Ergebnis, nicht den Weg. „Wenn ein Kunde das Formular ausfüllt, sehe ich seinen Namen in meiner Liste" — daran kannst du später messen, ob es funktioniert.
Der Trick mit dem Vorlesen
Ein einfacher Test, ob dein Satz wirklich scharf ist: Lies ihn einem Menschen vor, der von deinem Vorhaben nichts weiß — deinem Partner, einem Kollegen, zur Not dir selbst im Spiegel. Wenn die Person danach ohne Rückfrage nacherzählen kann, was das System tun soll, ist dein Satz gut. Muss sie nachfragen, weißt du genau, an welcher Stelle es noch schwammig ist. Diese Rückfrage hättest du sonst die KI stellen lassen — und die stellt sie nicht, sie rät.
Drei Beispiele: unscharf gegen scharf
Damit du ein Gefühl dafür bekommst, hier drei typische Wünsche — jeweils in der Matsch- und in der Klar-Version:
- „Was für meine Termine." → „Eine Seite, auf der Kunden freie Zeiten sehen und einen Termin buchen können."
- „Irgendein Rechnungsding." → „Ein Werkzeug, das aus Name, Betrag und Datum eine fertige PDF-Rechnung macht."
- „Eine bessere Übersicht." → „Eine Liste all meiner offenen Aufgaben, sortiert nach Fälligkeit, mit einem Haken zum Abhaken."
Merkst du das Muster? Die scharfe Version nennt immer ein konkretes Ergebnis, das man sehen und anfassen kann. Genau das braucht die KI.
Wenn dir der Satz partout nicht gelingt
Manchmal ist die Idee selbst noch nicht rund — und das ist völlig in Ordnung. Dann darfst du die KI ausnahmsweise als Denkpartner nutzen: Beschreib ihr grob dein Problem und bitte sie, dir Rückfragen zu stellen, bis die Idee klar ist. Aus dem Gespräch fällt fast immer der eine saubere Satz heraus. Nur bauen lässt du erst danach.
